atlantik network - Blick hinter die Kulissen

Waltraud: Wie hast Du die letzten Monate als Geschäftsführerin mit Deinem Team erlebt?
Wir alle arbeiten nun seit einem halben Jahr vom Homeoffice, mittlerweile mit einem Büro-Präsenztag in der Woche. Das war natürlich eine ganz neue Situation für unser Team, das immer sehr eng im Austausch miteinander im Büro arbeitet. Regelmäßige online Meetings via Teams (mit Kamera, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren) ermöglichten zwar das Business-Update, aber das persönliche Netzwerken fehlte sehr. Ich erinnere mich an zwei tolle Afterwork-Videomeetings zum Aperitif, an denen wir mit Smartphone oder Laptop auf Balkon, im Garten, oder eine Kollegin sogar am chilligen Gartenteich saßen und ungezwungen miteinander ratschten und feierten. Trotz digital bedingter Distanz hatten wir quasi mehr private Einblicke in den Lebensraum der Teamkolleginnen, als bei live Treffen – das hat auch etwas Nähe geschaffen. Dennoch haben wir uns riesig gefreut, als wir nach entsprechenden behördlichen Lockerungen uns endlich wieder live zum Afterwork-Dinner treffen konnten. Der Spanier um die Ecke hat sich auch über unsere Feierfreudigkeit gefreut!

Der Lockdown hat bei mir nur eine minimale Business-Schockstarre ausgelöst, denn es war keine Zeit zu verharren: es galt sofort, geplante Events rückabzuwickeln, die Eventmöglichkeiten der Zukunft auszuloten und erste virtuelle Events schon im Mai umzusetzen. Kopf in den Sand gibt es bei mir nicht, der Weg geht nach vorne, und nicht zurück. Ehrlich gesagt habe ich in den letzten Monaten so viel gearbeitet und eine so hohe Lernkurve erlebt, wie schon seit meinem Studium nicht mehr. Spannende, fordernde und inspirierende Zeiten.  

Jana: Was war dein kuriosester Moment?
Mein Start in den Lockdown war der Stoß ins nahezu kalte Wasser. Naja, ich war im Urlaub auf lang geplanter Städtereise in Marrakech in der Woche vor dem Lockdown und bekam dort von den steigenden Fallzahlen in Deutschland kaum etwas mit. Daher kann ich verstehen, dass es viele Reisende im Ausland unvorbereitet getroffen hat, als auf einmal keine Flüge mehr nach Deutschland flogen. Ich hatte Glück, denn ich landete mit der letzten Maschine in Deutschland, die Marrakech vor dem Lockdown verlassen durfte. Es war schon kurios, wie ich erst daheim erfuhr, dass wir von nun an im Homeoffice arbeiten und mir meine Kollegin das Laptop vor die Tür stellte. Der Schock hat aber nur kurz angehalten und wir haben sofort damit begonnen uns in diverse Möglichkeiten virtueller Events und veränderter Marketing-Maßnahmen einzuarbeiten und diese umzusetzen. Um unseren Teamspirit zu stärken habe ich schon kurz nach dem Lockdown eine exklusive online Yoga-Stunde mit meinem Yoga-Lehrer organisiert - eine der vielen neuen Erfahrungen, da wir in unserem kleinen Team von Null Yoga Erfahrung bis Yoga-fit alles dabei hatten :).

Zane: Was nimmst Du aus dieser außergewöhnlichen Zeit mit?
Im Homeoffice hatte ich anfangs die Schwierigkeit mich zu disziplinieren, um auch mal ‚off‘ zu sein, obwohl das Laptop immer in Sichtweite steht. Immer allein von zu Hause zu arbeiten ist nicht mein Ding: mir fehlt der persönliche Kontakt zum Team und ich war froh, als wir unsere erste Eventbox-Packaktion im Büro hatten, an der mal wieder richtig „action“ geboten war.
Ich habe mich früh schon intensiv mit digitalen Teamevents beschäftigt, und musste meine ursprüngliche Skepsis ablegen. Eigentlich bin ich der absolute live Event Typ. Deswegen liebe ich diesen Job auch so sehr. Wir haben dann viele Tools im Team getestet, ich habe Demo-Versionen mitgemacht, und festgestellt, wieviel Spaß das machen kann. Ein definitives Learning aus dieser Zeit.
Mein großes Hobby Reisen fiel dann auch erst einmal flach: Ich war so froh, dass ich noch im Februar eine große Reise nach Kolumbien gemacht hatte. Dennoch packte ich wieder meinen Rucksack, als die Grenzen wieder offen waren, um zumindest für ein paar Tage etwas Reiseluft zu schnuppern.

Lena: Du bist bei uns für das Marketing & Akquise zuständig. Ist das nicht besonders schwierig, wenn sich plötzlich alles ändert?
Da wir unsere impulsgeber events Veranstaltung kurzfristig um 2 Monate auf Ende Mai vorgezogen haben, um ein virtuelles Format möglichst schnell und früh einem möglichst großen Teilnehmerkreis präsentieren zu können, hatte ich direkt richtig viel zu tun. Mit zwei kleinen Kindern daheim habe ich das erlebt, was viele Mütter in diesen besonderen Monaten stemmen mussten: Multi-tasking pur und kreative Aufmunterung z.B. beim hoffnungsvollen Regenbogen malen. Mit einem Umzug mitten im Lockdown kam noch eine Herausforderung dazu. Das war ganz schön stressig.
Umso angenehmer war es, dass es viel mehr offene, informative und nette Telefongespräche mit Unternehmen gab, sowohl auf Kunden- als auch auf Lieferantenseite. Das Bedürfnis sich auszutauschen war groß und hat deutlich mehr Gesprächsbereitschaft als vor der Krise geschaffen. Das ist eine positive Erfahrung: in dieser Krise rückt man trotz Distanz näher zusammen.

Martina: Wie hast Du die neue Arbeitssituation erlebt?

Gott sei Dank war Homeoffice für mich keine Umstellung, nachdem ich den größeren Anteil meines Arbeitslebens aus dem Büro daheim geleistet habe. Aber die Erkenntnis, dass das Eventbusiness sich neu ausrichten muss um zu überleben, war schon hart für mich nach 30 Jahren in dieser Branche, in denen es immer gut ging.
Andererseits: endlich mal Zeit und Gelegenheit, sich intensiv in neue Themen einzuarbeiten. Im daily Business wäre das kaum möglich gewesen.
Neben viel intensiver Zeit vor dem Bildschirm im Homeoffice war es mir ein Bedürfnis, etwas ganz reales und anfassbares mit den Händen zu schaffen, und akute Hilfe zu leisten. Tja, und so landete ich Anfang Mai auf den Feldern eines Hopfenbauern in der Hallertau, um beim Hopfen andrehen zu helfen, da die ausländischen Erntehelfer fehlten. Eine fröhliche Truppe von Studenten, Jobsuchenden, Kurzarbeitenden und Nachbarn arbeitete und drehte junge Hopfenpflanzen bei strömenden Regen und im strahlenden Sonnenschein im Akkord an die Seile in die Höhe, damit der Biernachschub auch in diesem Jahr gewährleistet ist.
Eine tolle, fast meditative Erfahrung, aber ich wäre keine ‚Eventlerin‘ wenn ich das Erlebnis nicht gleich einer gedanklichen Prüfung als Teamevent unterzogen hätte.